Kirchen, die Geschichte schreiben:

Kirchen, die Geschichte schreiben:

Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim

Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim

Die letzte evangelische Holzkirche Kärntens

Bei unseren Gesprächen mit Kirchengemeinden und bei der Installation unseres SmartCustos-Systems entdecken wir immer wieder besondere Geschichten, Orte und Menschen. Geschichten, die es verdienen, erzählt und geteilt zu werden. In der Rubrik „Kirchen, die Geschichte schreiben“ geben wir diesen Einblicken eine Bühne und zeigen, was Kirchen einzigartig macht – und welche besonderen Geschichten hinter ihnen stecken.

Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim – nordische Architektur mitten in Kärnten

Auf den ersten Blick wirkt sie schlicht. Und gerade deshalb bleibt sie im Gedächtnis: Die Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim ist ein ungewöhnlicher Sakralbau, der regionale Holztradition mit skandinavisch inspirierter Architektur verbindet.

Zwischen den Bergen der Nockberge steht hier keine klassische steinerne Dorfkirche, sondern ein Bauwerk aus Holz, dessen klare Form und Blockbauweise deutlich an nordische Kirchen erinnert. Damit gehört die Kirche zu den besonderen evangelischen Bauwerken Kärntens.

Eine Kirche aus Holz – und mit einer ungewöhnlichen Geschichte

Der Grundstein für die Kirche wurde 1938 gelegt. Entworfen wurde sie vom Benediktinermönch, Maler und Holzschneider Switbert Lobisser. Beim Bau in Holzblockbauweise half auch die Bevölkerung mit. Am 8. Oktober 1939 wurde die Kirche schließlich eingeweiht.

Dass gerade Holz zum bestimmenden Baustoff wurde, passt einerseits zur alpinen Umgebung. Gleichzeitig geht die Gestaltung über eine gewöhnliche regionale Holzbauweise hinaus: Die Architektur orientiert sich an skandinavischen Vorbildern. Charakteristisch sind der kompakte Holzbau, die klare Gestaltung und der kleine Dachreiter. So entsteht ein spannender Gegensatz: Die Kirche steht fest in der Kärntner Landschaft und wirkt zugleich ein wenig nordisch.

Skandinavisches Vorbild trifft Kärntner Holztradition

Holz ist in Kärnten traditionell ein wichtiger Baustoff. Bauernhäuser, Stadeln und andere landwirtschaftliche Gebäude prägen vielerorts das Landschaftsbild. Die Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim greift diese Vertrautheit mit dem Material auf, übersetzt sie aber in eine sakrale Architektur mit skandinavischem Charakter. Auch die Innenausstattung folgt diesem Gedanken. Sie ist vergleichsweise schlicht gehalten und wurde dem bäuerlichen Stil der Umgebung angepasst. Die Kirche versucht damit nicht, durch Prunk zu beeindrucken. Ihre Wirkung entsteht vielmehr aus dem Material, den Proportionen und der zurückhaltenden Gestaltung. Gerade diese Einfachheit macht den Innenraum besonders: Das Holz bleibt präsent und gibt dem Gotteshaus eine warme, unmittelbare Atmosphäre

Die letzte evangelische Holzkirchen in Kärnten

Die Kirche ist nicht nur architektonisch ungewöhnlich. Auch aus denkmalpflegerischer Sicht besitzt sie einen besonderen Stellenwert. Architekturquellen führen die Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim als die einzig verbliebene evangelische Holzkirchen in Kärnten. Seit 2008 steht sie unter Denkmalschutz.

Damit ist sie ein wichtiges Zeugnis einer Bauform, die im evangelischen Kirchenbau Kärntens nur selten anzutreffen ist. Ihre Bedeutung liegt dabei nicht allein im Alter des Gebäudes. Entscheidend ist die Verbindung mehrerer Einflüsse: evangelische Geschichte, regionaler Holzbau und skandinavische Architekturvorbilder finden hier zusammen.

Entstanden aus dem Wunsch nach einem eigenen Kirchenraum

Hinter dem Bau steht auch die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Bad Kleinkirchheim. Bereits 1935 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Wenige Jahre später konnte die eigene Kirche verwirklicht werden. Die Kirche entstand somit nicht einfach als architektonisches Einzelprojekt. Sie war Ausdruck eines gewachsenen evangelischen Gemeindelebens und schuf einen eigenen Ort für Gottesdienst und Gemeinschaft. Heute gehört die Kirche zur Evangelischen Pfarrgemeinde A. B. Wiedweg-Bad Kleinkirchheim. Bis 2011 war sie selbst Pfarrkirche; anschließend wurde die Gemeinde mit Wiedweg zusammengeführt.

Ein besonderer Ort der Stille

Auch die Umgebung der Kirche wurde in den vergangenen Jahren bewusst weiterentwickelt. Der Kirchenplatz wurde 2010 neu gestaltet. Dabei entstand unter anderem ein Ensemble aus speziell für diesen Ort entwickelten Urnenstelen.

Bemerkenswert ist der behutsame Umgang mit dem historischen Bestand: Für die Neugestaltung wurden nur wenige Materialien verwendet – Beton, Holz und Eisen. Der Platz sollte gleichzeitig Eingangsbereich, Ort der Begegnung und Raum der Stille sein. Die Gestaltung entstand in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Damit treffen rund um die Kirche historische und zeitgenössische Architektur aufeinander, ohne miteinander zu konkurrieren.

Eine kleine Kirche mit großer Eigenständigkeit

Die Evangelische Kirche Bad Kleinkirchheim ist kein monumentaler Sakralbau. Sie beeindruckt nicht durch Größe oder opulente Ausstattung. Ihre Besonderheit liegt woanders. Sie ist eine Holzkirche in Blockbauweise, wurde nach einem skandinavisch inspirierten Entwurf errichtet, steht unter Denkmalschutz und ist eng mit der Geschichte der evangelischen Gemeinde vor Ort verbunden. Gleichzeitig fügt sie sich mit ihrem Baustoff Holz selbstverständlich in die Landschaft der Nockberge ein.

Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke: Die Kirche wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein selbstverständlicher Teil von Bad Kleinkirchheim – und überrascht trotzdem mit einer Architektur, die man hier nicht unbedingt erwarten würde.

Ein Besuch lohnt sich

Wer Bad Kleinkirchheim besucht, sollte deshalb nicht nur die bekannten touristischen Ziele im Blick haben. Die kleine evangelische Holzkirche ist ein Ort, an dem sich Architektur, Glaubensgeschichte und regionale Identität auf besondere Weise verbinden. Wer eintritt, entdeckt keinen prunkvollen Kirchenraum, sondern einen bewusst einfachen und ruhigen Ort. Und vielleicht liegt gerade darin das Besondere dieser Kirche: Sie muss nicht laut sein, um etwas zu erzählen. Von ihrer Entstehung in den 1930er-Jahren über die skandinavischen Einflüsse bis zu ihrer heutigen Rolle in der Gemeinde ist sie ein bemerkenswertes Stück Bad Kleinkirchheim – und ein kleines architektonisches Juwel mitten in Kärnten.

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